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22.10.-1.11. 08 - ANARCHIE! zwischen Utopie und Alltag

organisiert durch die Zürcher AnarchistInnen

Droht mit dem Versagen neoliberaler Wirtschaftskonzepte nun die totale Anarchie?

Rechtzeitig zur Finanzkrise und der Entlarvung der Schein-Werte des nun verblassenden gesellschaftlichen Systems, präsentieren die Zürcher AnarchistInnen eine genussreiche Alternative.

Nein, nicht die allseits gefürchtete Faustrecht-Anarchie ist damit gemeint. Genau das wurde mit dem Konzept der ‚freien’ Konkurrenz schon zur Genüge durchexerziert und war offensichtlich kein Segen für die Menschheit (Hunger, Kriege, Ausbeutung, Umweltzerstörung, etc.). „Anarchie“ ist der Sammelbegriff für ein Bouquet von gesellschaftlichen Perspektiven, solidarischen und emanzipatorischen Formen der Selbstorganisation, mit kollektivistischen wie auch individualistischen Spielarten.

Die Veranstaltungsreihe bietet einen Einblick in die theoretischen und historischen Grundlagen des Anarchismus im Allgemeinen sowie in einige konkrete Projekte – eine unvollständige Werkschau des aktuellen Zürcher Anarchismus, mit Gästen aus Lausanne und Frankfurt.
Was ist Anarchie? (und andere grosse Fragen ...)
Mi. 22.10. Volkshaus (Helvetiaplatz), Gelber Saal, 19.30
Mitglieder der ZA - Zürcher Anarchistlnnen

Anarchie: Ein grosses Wort, welches auch heute noch polarisiert wie wenige andere – Für die Einen bedeutet es die Utopie einer herrschaftsfreien Welt, eine Ethik für die nicht-unterdrückerische, emanzipatorische Gestaltung des Alltags, während es für Andere gleichbedeutend ist mit Unordnung, Angst und Schrecken, Gewalt und Terror.

Was meinen diejenigen mit ‚Anarchie’, welche es auf ihre Fahne schreiben – die AnarchistInnen? Und wer sind diese überhaupt? Ist die anarchistische Bewegung ein „Irrtum der Geschichte“, dazu verdammt einer unerreichbaren Illusion nachzuträumen? Ewig pubertierende Punks, ungekämmt aber harmlos? Oder doch fanatische Bombenwerfer und Gefahr für die Grundwerte der bürgerlichen Gesellschaft?

Mit dem Vortrag versuchen wir, uns dem Verständnis der Anarchie und ihren verschiedenen Aspekten anzunähern, so wie es von der anarchistischen Bewegung entwickelt wurde. Dabei werden auch die wichtigsten Strömungen sowie die historische und aktuelle Bedeutung der Bewegung angeschnitten.

Anarchismus und Schweiz / Schweiz und Anarchismus in der Jahrhundertwende
Do. 23.10. Volkshaus (Helvetiaplatz), Zimmer 22 , 19.30
Nino Kühnis, Zürich

Im Referat werden anarchistische Aktionen, Zusammenhänge und
Projekte in der Schweiz der Jahre 1885-1914 vorgestellt.
Thematisiert werden dabei auch die offizielle Reaktion und
die so genannte Öffentliche Meinung über das anarchistische
Tun und Lassen, die den schweizerischen Umgang mit AnarchistInnen weitgehend prägte.

Das Strohballenhaus von Lausanne – eine temporär autonome Zone
Fr. 24.10. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 19.30
Mitglieder des Kollektivs „Straw d'la bale", Lausanne

Am 24. August 2007 besetzt ein Kollektiv ein Gelände im Zentrum von Lausanne und baut dort in wenigen Tagen ein Haus aus Strohballen und Bauabfällen. Dies ist der Beginn einer 4-monatigen Kraftprobe mit den Behörden: Hunderte Menschen besuchen und unterstützen den illegalen Bau, die „grüne“ Stadtregierung weiss nicht, was sie tun soll. Das Experiment findet am 21. Dezember ein abruptes Ende mit einem absichtlich gelegten Brand, welcher zwei Personen in Lebensgefahr brachte. Aber die öffentliche Debatte um autonome Lebensräume, radikale Ökologie, Urbanismus, Selbst-bau und (Il-)Legalität, welche das „maison de paille“ ausgelöst hat, geht weiter…
Siehe auch: http://autoconstruction-en-paille.over-blog.com

Einführung in die Kapitalismuskritik und Vorstellung des Handbuchs des BgKN
Sa. 25.10. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 19.30
Mitglieder des Bündnis gegen Kapital und Nation (BgKN)

Anhand der Broschüre "Handbuch Kapitalismuskritik" werden die BesucherInnen des Workshops in die Kapitalismuskritik eingeführt. Die Mechanismen des Staats und des Kapitals werden analysiert und die Kritik daran formuliert.

Anarchismus und freie Software. Adhémar Schwitzguébel und Richard
Stallman – Einführung und offene Diskussion.

So. 26.10. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 19.30
Olivia, Zürich

Eine ideelle Verwandtschaft zwischen Adhémar Schwitzguébel, Uhrmacher aus dem Jura des 19.Jh., und Richard Stallman, Begründer der GNU-Lizenz aus den USA der Gegenwart, fordert auf, darüber nachzudenken, inwiefern uns freie Software eine Möglichkeit gibt, ein anderes System als das kapitalistische zu nutzen und ob die anarchistischen Grundgedanken der Hacker-Ethik heute überhaupt noch aktuell und relevant sind.

"Der wichtigste Unterschied zwischen dem politischen Denken innerhalb und ausserhalb der digitalen Welt ist, dass in der Netz-Gesellschaft Anarchismus (oder genauer besitz-ablehnender Individualismus) eine bedenkenswerte politische Philosophie darstellt." Eben Moglen

Die Industrial Workers of the World (IWW)im 21. Jahrhundert
Mo. 27.10. Volkshaus (Helvetiaplatz), Zimmer 22 , 19.30
Lutz Gentschmann, Sekretär IWW-Glamroc, Frankfurt a.M.

Die Industrial Workers of the World (IWW, deren Mitglieder oft auch als Wobblies bezeichnet werden) sind eine weltweite Gewerkschaft, deren Einfluss sich auf USA, Großbritannien, Kanada und Australien konzentriert. In Großbritannien, der größten Regionalstruktur in Europa, zählt die IWW im Jahr 2008 rund 400 Mitglieder. Im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg) existiert eine eigenständige Sektion der IWW, die im Dezember 2006 in Köln gegründet wurde (IWW-GLAMROC - German Language Area Members Regional Organising Commitee / Regionales Organisations-komitee der IWW-Mitglieder im deutschsprachigen Raum).

Lutz Gentschmann, Sekretär des regionalen Organisierungs-komitees Glamroc, berichtet über konkrete Aktionen der IWW sowie über deren Organisierungsansatz.

Anarchistischer Stammtisch (wie jeden Dienstag) – offenes Diskutieren mit (an-)alkoholischen Getränken
Di. 28.10. Mars Bar, (Neufrankengasse 15), ab 19.00

Die Karakök-Autonome und der Anarchismus in der Türkei
Mi. 29.10. Volkshaus (Helvetiaplatz), Zimmer 22 , 19.30
Mitglieder von Karakök-Autonome, CH/TR

(Kurzbeschrieb)

Zorn und Aufstand im Mittelalter
Do. 30.10. Kalkbreitestrasse 4, 19.30
Averr, Karakök-Autonome, Zürich

Scheich Bedrettin und Fra Dolcino, zwei Persönlichkeiten aus Morgenland und Abendland, zwei Geschichten des Zornes und Aufstandes im späten Mittelalter – ‚Averr’ hat zwei Lieblingsbeispiele aus seiner üppigen Tumult- und Aufruhr-Kollektion ausgewählt, um zu illustrieren: Die Macht wurde immer in Frage gestellt, und: "Man muss Gott die Zähne zeigen, alles Andere hilft nichts."

Averr stürzte vor 34 Jahren kopfüber aus dem Schoss der Mutter, nur damit er im Blut wieder lande. Da schon sein Anfang aus Abwasser bestand, erspar dir, auf Reinheit zu hoffen. Seitdem ist er zornig auf der Suche nach Gott, um gegen ihn zu kämpfen.
(adaptiert nach dem "Buch des Leidens" des persischen Dichters Faridoddin Attar)

Macht oder Ohnmacht?
Fr. 31.10. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 19.30
Lisa J. Giftig, Zürich

„Wir wollen keine Sklaven und keine Herren“, etwa, lautet eine populäre, anarchistische Formel. In diesem Vortrag beleuchtet Lisa J. Giftig den Zusammenhang von Macht und Freiheit, Ohnmacht und Sklaverei unter Verwendung von wissenschaftlichen, erotischen und philosophischen Konzepten. Dabei werden für populär AnarchistInnen aber auch Durch-schnitts – DemokratInnen höchst verwirrende Zusammenhänge freigelegt.
Ziel ihrer Überlegungen ist es den Kampf für die Anarchie auf die besonderen Herausforderungen der Mediengesellschaft vorzubereiten, indem sie aufzeigt welche Wege Herrschaft und Macht beim Aufbau ihrer Systeme gehen können und welche Wege genutzt werden, diese Pläne zu durchkreuzen.

Lisa J. Giftig, ist die imaginäre Zwillingsschwester einer männlichen Hure, eines Sadisten, der sich selbst gerne schmunzelnd als Anarchist bezeichnet. Sie beleuchtet unter anderem mit der nötigen wissenschaftlichen und philosophischen Distanz das Treiben ihres verdorbenen Bruders und verweist dabei auf gesellschaftliche Zusammenhänge.

Anarchafeminismus – Ein Ansatz der noch ausgearbeitet werden muss.
Sa. 1.11. Kasama (Militärstr. 87a – Innenhof), 14.00
AG Anarchafeminismus der Libertären Aktion Winterthur

Maria Mattéo stellte in ihrem Beitrag zum Kongress „Ungleichheit der Geschlechter“ 1987 in Lyon fest, dass der libertäre Feminismus bislang lediglich eine Hypothese sei, die erst noch ausgearbeitet werden müsse. Bis heute sind uns die Vertreterinnen des Anarchafeminismus eine solche Ausarbeitung schuldig geblieben.
Was ist eigentlich Anarchafeminismus? In einem ersten Teil werden in diesem Vortrag historische Ansätze aufgezeigt, indem bekannte Anarchafeministinnen wie Emma Goldman, Louise Michel oder die Gruppe Mujeres Libres, aber auch unbekanntere Frauen wie Virginie Barbet oder Andrée Leo vorgestellt werden. In einem zweiten Teil werden neuere Ansätze (vorwiegend aus den 80er Jahren), wie zum Beispiel von Rossella di Leo oder Janet Biehl aufgegriffen, und offene Fragen aufgezeigt. Und nicht zuletzt soll ein Exkurs zu Judith Butler die Perspektive auf neuere feministische Diskussionen eröffnen.
Siehe auch: http://www.anarchafeminismus.ch.vu

Konzert & Party: kämpferische Lieder, seltsame Electronica
Sa. 1.11. (Ort wird bekannt gegeben), 20.00 – open end
- Niels van der Waerden, Protestlieder und Schnulzen
Musikkabarettist aus Zürich. In seinen Programmen verquirlt er Schmachtfetzen, Galgenlieder und Protestsongs aus allen erdenklichen Epochen und Stilen zu einem gesellschaftstheoretischen Liedersalat.

- Susi Morte, Songs und Chansons
- H5N1, Chansons Révolutionnaires
- PlattenLegerOrganisation “aromath”,
sub-urbane Pop-Dekonstruktion

Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei (Spenden willkommen) - Sponsoring von Firmen, staatlichen und religiösen Organisationen wird abgelehnt