StandortFUCKtor Winterthur

AntirepSoliSpenden an:

Verein Soli-Fonds, Bachtelstr. 70, 8400 Winterthur
ABS, 4601 Olten
Konto-Nr. 46-110-7
IBAN CH69 0839 0034 1329 1000 3

Zahlungszweck: Standortfucktor

Kapitalismus

Kapitalismus

Die Welt ist – nüchtern betrachtet - wahnsinnig. Die Menschen scheinen es auch zu sein. Grösstenteils schuften sie wie verrückt, produzieren unermesslichen Reichtum. Doch leben viele in Armut. Die her­gestellten Güter und Dienstleistungen gehören nicht ihnen, sondern bleiben im Besitz der Eigentüme­rinnen der Unternehmen.

Produktion des Reichtums

Wir sehen die Gesellschaft grundsätzlich in zwei Lager gespalten, die sich nach ihrer jeweiligen sozia­len Position und ihren sozialen Funktionen stark voneinander unterscheiden. Auf der einen Seite die Arbeiterinnen, die nicht viel mehr als ihre Arbeitskraft besitzen, das wohlbekannte Proletariat; auf der anderen die Besitzerinnen der Unternehmen.

Es gibt keine einheitliche Menschheit mit gemeinsamen Interessen. Es gibt die Menschheit der Klas­sen: Das Proletariat und die ausbeutenden Kapitalistinnen.

Diese Zweiteilung ist direkt auf die kapitalistische Wirtschaftsordnung und deren Eigentumsverhält­nisse zurückzuführen, nicht etwa auf irgendwelches Geschwafel von der „natürlichen Bösartigkeit des Menschen“ oder ähnliches. Wenn ein System so geartet ist, dass Ausbeutung und Unterdrückung mög­lich, ja gar erforderlich sind, dann ist es eine logische Konsequenz, dass sich die Menschheit aufteilt in Unterdrückerinnen und Unterdrückte.

Natürlich treten die Klassengegensätze in der sogenannten „modernen Industriegesellschaft“ nicht mehr so offensichtlich zu Tage, wie sie das einst taten. So sind beispielsweise einige Lohnabhängige gleichzeitig Mitbesitzerinnen einer Firma, indem sie einige Aktien besitzen. Häufig versuchen die Ka­pitalistinnen die Lohnabhängigen gefügig zu machen, indem sie ihnen eine gewisse Gewinnbeteili­gung versprechen. Im Grunde ändert sich jedoch nichts. Diese Teilhabe am Kuchen ist lediglich dazu da, das Proletariat im Glauben zu lassen, dass jede ihre Chance auf Wohlstand hat.

Verteilung des Reichtums

Das Proletariat ist per Definition abhängig von Lohnarbeit und verfügt über keine Produktionsmittel. Somit ist es ihm verunmöglicht, in Eigenregie Waren zur eigenen Bedürfnisbefriedigung herzustellen, sondern ist abhängig von der Bourgeoisie. Für diese ist jedoch nicht primär die Fabrizierung von Be­darfsmitteln interessant, sondern die Perspektive, über die Deckung ihrer eigenen Bedürfnisse hinaus aus den Produktionsmitteln möglichst hohen Profit zu schlagen. Die Bedürfnisbefriedigung ist nicht mehr Zweck der Arbeit, sondern nur noch Mittel zum Zweck.

Wir bekommen Lohn, was nichts anderes heisst, als dass wir uns durch Lohnarbeit an die Arbeitgebe­rin verkaufen müssen. Die Arbeitskraft und somit die Arbeiterin selbst wird zur Ware degradiert und entsprechend wird mit ihr umgegangen. Je nach Wohlstand und Stärke der Arbeiterinnenklasse ist die Behandlung mal besser, mal schlechter. Im Minimum reicht schon der blosse Erhalt an genügend Ar­beitskräften. So sehen sich die Arbeiterinnen gezwungen, sich untereinander zu konkurrenzieren, um zu (über)leben.

Es ist das Los des Proletariats, den gesamten Reichtum zu produzieren, der jedoch nicht ihm zufällt, sondern den Eigentümerinnen der Produktionsmittel und des Bodens. Die Arbeiterinnen bekommen zwar einen Lohn für ihre Arbeit, jedoch stellt dieser nur einen Teil des tatsächlich produzierten Werts dar. Denn die Arbeiterin kann mehr Waren produzieren, als sie benötigt. Die Ware Arbeitskraft ist so­mit die einzige Ware, die aus Wert Mehr-wert schaffen kann. Dieser ausgebeutete Mehrwert ist, wird er auf dem Markt realisiert, der Gewinn des Unternehmens, der Kapitalistinnen. Die Arbeiterin wird ausgebeutet. Ein Teil des Werts bleibt bei den Kapitalistinnen und wird von ihnen reinvestiert - oder einfach verprasst. Der ganze Reichtum der Erde ist produziert von den Arbeiterinnen, gehört ihnen aber nicht!

Die soziale Unterdrückung und die Ausbeutung des Proletariats durch das Eigentum an Produktions­mitteln bilden den enormen Reichtum und zugleich die Basis der heutigen kapitalistischen Gesell­schaft, ohne die sie nicht existieren kann. Es wird also keineswegs nur in Drittweltländern ausgebeutet, sondern auch in der Schweiz, in Max Havelaar Betrieben und überall, wo kapitalistische Produktion herrscht. Jede andere Form gerät unweigerlich in Konkurrenz mit dem Kapitalismus. Nachhaltig und sozial im Kapitalismus zu produzieren, ist eine Illusion, von der wir uns lieber heute als morgen verab­schieden. Ohne Gewinn gibt es kein Weiterbestehen.

Auch die Unternehmerinnen stehen in Konkurrenz zueinander. Damit sie überleben, müssen sie er­folgreich wirtschaften. Sie beuten also nicht aus, weil sie besonders böse sind, sondern weil Profit er­zielt werden muss. Produziert wird demnach für den Markt, d.h. die Nachfrage wird nicht befriedigt, bzw. eben nur dort, wo genügend Geld vorhanden ist. In einem solchen System werden nicht menschli­che Bedürfnisse bedient, sondern es muss den ökonomischen Zwängen gehorcht werden. Das Kapital muss Profit abwerfen, es muss sich verwerten. Für Unternehmen heisst das: Profitmaximierung, um konkurrenzfähig bleiben und im Markt weiter bestehen zu können.

Fortschritt?

Dies führt zu einer gewaltigen Steigerung der Produktivkräfte, zu einer rationalisierten und automati­sierten Produktion. Es vergünstigt ebenso die Produkte, da weniger Arbeitszeit zur Herstellung benö­tigt wird. Es führt zu Massenentlassungen und erschwerter Kapitalverwertung. Dabei kann die absurde Situation entstehen, dass trotz allen vorhandenen Faktoren zur Reichtumsproduktion ein Grossteil der Gesellschaft verarmt. Es wird klar, dass sowohl die Versorgung wie auch die Lebensbedingungen der Menschen zweitrangig sind. Produziert wird nur, wenn Profit erzielt werden kann. Mit fatalen Folgen, wie ein Blick in die Welt bestätigt. In einer Welt, die vor Reichtum strotzt, leidet jeder siebte Mensch an Hunger!

Eine Bäuerin würde zwar Getreide anbauen, kann aber nicht, wenn sie keine Ressourcen besitzt, keine zahlungskräftigen Abnehmerinnen findet oder vorhandene Produktionsmittel nicht ihr gehören. Warum produzieren Arbeiterinnen Kampfflugzeuge, wenn sie doch nur dazu dienen, auf einem ande­ren Flecken des Planeten andere Arbeiterinnen wegzubomben? Leider muss das Proletariat die Jobs nehmen, die sich bieten. Die Gesellschaft kann nicht entscheiden, was, wie und wie viel sie produzieren soll, denn im Markt zählt nur das Streben nach Profit. Selbstre­dend, dass auf das Klima nicht auch noch Rücksicht genommen werden kann.

Hinzu kommt ein weiteres Problem: Indem die Arbeiterinnen nicht für das entlohnt werden, was sie tatsächlich an Arbeit verausgaben, und indem die Unternehmerinnen ihren so erzielten Profit wieder investieren müssen, stellt das System mehr Waren her, als es absetzen kann. Es muss neue Märkte er­schliessen, um die Waren abzusetzen, oder es gerät in eine Krise. Nicht, weil zu wenig Güter vorhan­den sind, sondern zu viele! Nicht zuletzt hängt die Prosperität der Wirtschaft auch von den undurch­sichtigen Geschäften des internationalen Finanzsystems ab. In der Realwirtschaft treten die Banken vorwiegend auf zwei Arten in Erscheinung: Erstens auf Seiten der Unternehmen, die mit Krediten schneller expandieren können, zweitens mit Kreditvergabe auf Seite der Konsumentinnen. Vor allem in den letzten Jahrzehnten wurde so versucht, die genannte Überproduktion an die Frau zu bringen und den Konsum anzukurbeln. Produktion und Verkauf von Waren fallen auseinander, dies eröffnet die Möglichkeiten zu Spekulationen und neuen Krisen.

Vier Schlussfolgerungen erscheinen uns wichtig:

  • Die gesamte Wirtschaft gehorcht den Geboten der Profitmaximierung und Kapitalverwertung; nicht den Bedürfnissen der Menschen.
  • Die Wirtschaft ist global. Armut, Umweltzerstörung, Kriege können nicht isoliert betrachtet werden und die Schuld auf einzelne Unternehmen, Individuen oder die lokale Bevölkerung gelegt werden. Sie gehen alle was an.
  • Zur Veränderung der Verhältnisse ist ein autonomer, individueller Kampf im Gegensatz zur kollekti­ven Aktion kaum wirksam.
  • Das gegensätzliche Interesse der Klassen erzeugt den seit Jahrhunderten zwischen ihnen an­dauernden Konflikt, der mal wild und stürmisch zu Tage tritt, mal unauffällig und ruhig ver­läuft. Er eröffnet die Möglichkeit auf eine Umgestaltung der gegenwärtigen Gesellschaft in eine Gesellschaft, die den Bedürfnissen, Anliegen und Gerechtigkeitsvorstellungen des Proletariats entspricht.
 

Die gesamte Sozialgeschichte der Menschheit bis zum heutigen Tag stellt eine ununterbrochene Kette von Kämpfen der arbeitenden Massen für ihre Rechte, für Freiheit und für ein besseres Leben dar. In der Geschichte der menschlichen Gesellschaft war dieser Klassenkampf immer der Hauptfaktor, der die Form und Verfassung der Gesellschaft bestimmte.“ - Organisationsplattform der Allgemeinen Anarchistischen Union