StandortFUCKtor Winterthur

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01.05.10, Rede: 1. Mai

1. Mai 2010 –

Rede der Libertären Aktion Winterthur im antikapitalistischen Block der 1. Mai Demo in Winterthur

 

1. Mai 1886 in Chicago: 40`000 ArbeiterInnen gehen für die Einführung des 8-Stunden-Tages auf die Strasse. Konfrontation mit den Bullen. Mehrere Tote und unzählige Verletzte unter den Streikenden. Dennoch: das Ziel – den 8-Stunden-Tag – haben sie erreicht. Erkämpft. 1. Mai als Stichtag.

Doch wieso heute noch am 1. Mai auf die Strasse gehen? Leben wir heute noch in dreckigen Barracken oder völlig überfüllten Mietskasernen? Verlieren wir heute noch unser Leben, wenn wir uns für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen?

Nein, heute verlieren wir lediglich unseren Job, um den sich zig Arbeitslose reissen. Nein, heute stehen wir völlig motiviert um 05:00 in aller Frühe auf und arbeiten lächelnd für einen Lohn, der nicht einmal eine ganze Familie ernähren kann. Aber egal, es können doch beide Elternteile arbeiten. Frau verdient noch ein paar Franken weniger die Stunde für die gleiche Arbeit, aber das ist doch nebensächlich, wenn man noch unfreiwillig „in-touch“ mit seinen männlichen Arbeitskollegen steht.

Und die Krise? Wo bleibt sie schon.. Bilanzen verschiedener Unternehmen zeigen tolle Gewinne und eine noch bessere Zahl an abgebauten Arbeitsplätze. Dass Länder wie Griechenland als Folge total pleite sind, hat ja sowieso andere Ursachen.

Die miesen Arbeitbedingungen, wie sie vor 100 Jahren herrschten, haben wir heute doch überwunden. Ist doch grosszügig von unseren Grosskonzernen, dass sie in Länder wie China oder Indonesien expandieren, tausende Menschen für einen Lohn von einer Arbeiterin beschäftigen und Widerständige kuzerhand verschwinden lassen. Dies schafft doch Arbeitsplätze und ermöglicht eine billigere Produktion der Ware, was haben wir daran schon zu kritisieren?

Schluss jetzt mit dieser blumigen Selbstlüge! Auch nach hundert Jahren haben wir Grund genug heute auf die Strasse zu gehen und eine andere Gesellschaft und Produktionsform zu fordern! Was ist gegen eine Gesellschaft einzuwenden, die frei von hierarchischen, rassistischen und sexistischen Strukturen ist? Was ist gegen Freiheit, Selbstbestimmung und allgemeinen Wohlstand einzuwenden?! Nichts!

Auch dieses Jahr fordern wir eine sinnvolle Arbeitsgestaltung: Und zwar mit Kommunen, die sich nach ihren verfügbaren Ressourcen und Produktionsstätten richten und gezielt und mit qualitativ hochwertigen Produkten eine wirkliche Nachfrage nach diesen decken. Natürlich kann keine Kommune alleine die Bedürfnisse auf allen Ebenen decken, aber das wird durch eine hohe Vernetzung mit anderen auch nicht nötig sein. Somit wird auch eine unnötige Überproduktion der Waren vermieden. Auch Geld wird nicht mehr nötig sein, da der Zugang zu sämtlichen Produkten die Entlöhnung unserer Arbeit sein wird. Was soll die Unterstellung, in einer libertären Gesellschaft würde niemand mehr arbeiten gehen? Jeder wird arbeiten, da es auch in dieser Gesellschaft noch eine Nachfrage nach notwendigen Produkten und Dienstleistungen geben wird, die es zu befriedigen gilt. Nur wird nach wirklich vorhandenen Bedürfnissen produziert werden und nicht nach einer durch Werbung künstlich geschaffenen Nachfrage. Und durch den fehlenden kapitalistischen Konkurrenzdruck wird die Arbeit angenehmer gestaltet sein und auf ein Minimum reduziert werden können.

Brauchen wir den Staat, damit wir friedlich miteinander leben können? Der Staat braucht uns, damit er uns in Frieden in unserer Freiheit einschränken kann. Wir brauchen kein System über uns, dass uns mit tausend von verschiedenen Gesetzen und Repression voschreibt, wie wir zu leben haben. Selbstbestimmung und Gerechtigkeit werden wir auch durch Konsens finden. Jeder soll mitreden und auf jeden soll eingegangen werden, kein Mitglied durch eine einfache Zweidrittelsmehrheit mundtot gemacht werden.

Lasst uns also auch heute noch den Arbeitskampf weiterführen, wie er vor hundert Jahren begann. Für Wohlstand, Selbstbestimmung und Freiheit für alle!

Viva la revolucion!