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Donnerstag 3. September & Freitag 4. September - Hamburg

Endlich in Hamburg! Auf diese Stadt haben wir uns schon die ganze Zeit riesig gefreut! ;)

Unsere Veranstaltung haben wir im FAU-Zentrum Schwarze Katze an der Fettstrasse abgehalten. Das Zentrum ist etwa so eingerichtet, wie wir uns das für die BlackBox immer gewünscht hatten! Eine VoKü-Küche, eine Bibliothek und genügend Platz für ein friedliches Zusammensein. Das Zentrum gibts schon seit ca. 20 Jahren und wird auch heute noch von vielen Menschen genutzt und besucht.

Zentrum Schwarze Katze

Bibliothek Schwarze Katze

Der Vortrag stiess auch hier auf grosses Interesse. In der Diskussion danach stellte sich dann heraus, dass - obwohl Hamburg neben Berlin eine der lebendigsten und grössten "Szenen" Deutschlands hat - das Thema Feminismus, wie in den anderen Städten auch, sehr an Interesse verloren hat.

Als Ausgleich zu unserem 2-wöchigen-Emanzen-Gelabber mussten wir uns am Abend einfach mal die Reeperbahn geben! ;) Ein wenig enttäuscht - die Reeperbahn ist inzwischen ja voll clean und touristisch geworden - gingen wir pennen. Am Freitag hatten wir dann endlich wieder einmal unseren freien Tag. Diesen verbrachten wir hauptsächlich am Hafen und besuchten am Nachmittag noch den St. Pauli Fanladen.

Kirche Reeperbahn

Hamburg hat echt seinen Charme! Da werden wir sicher wiedermal hingehen! Danke fürs kochen und Kaffeemachen und uns unterhalten und rumfahren, P! Danke vielmals euch allen für den tollen Aufenthalt in Hamburg!

St.Pauli Fanladen

Exkurs zu Queer, Gender und autonomer Frauenbewegung

Oft kam in diesen 2 Wochen die Frage, wie wir eigentlich zu Judith Butler und der Queer- und Transgender-Bewegung stehen. Die Frage zielte oft darauf ab, dass wir Stellung zur "Aufhebung der Geschlechterkategorien" nehmen sollten. Für die Ag A-Fem der LAW kann ich natürlich nicht reden, aber ich kann hier versuchen meine persönliche Position wiederzugeben:

Ich finde Judith Butlers Diskursanalysen extrem spannend und wertvoll. Ihre Literatur bewegt sich, meiner Ansicht nach, jedoch zu sehr auf universitärem Niveau und ist daher vielen Menschen nicht zugänglich. Zudem empfinde ich ihre Theorie als sehr praxisfern. Ich denke, dass mensch in der heutigen Zeit nicht mehr um sie herum kommt, möchte mensch sich mit feministischen Ansätzen auseinandersetzen. Ihre Ansätze sollten jedoch, wie alle anderen auch, einer kritischen Betrachtung unterzogen werden. Einerseits kommt immer wieder der Vorwurf, dass Butler von diversen Gruppen missverstanden wird und anderseits sollte sich mensch, wenn schon, auch mit systematischer Kritik an Butler auseinandersetzen.

Wenn es nach gewissen Gruppen ginge, dürfte sich frau, möchte sie "wirklich emanzipiert" sein, nicht mehr in separatistischen Gruppen organisieren. Gruppen sollten, da der Geschlechter-Dualismus aufgehoben werden soll, allen Menschen und "Geschlechtern" offen sein. Meine Kritik an dieser Einstellung ist, dass diese Gruppen das Ziel - die Aufhebung der Geschlechterkategorien - dem Kampf vorausnehmen wollen. Ich möchte niemanden ausgrenzen und erkenne, dass es nicht zwei, sondern eben mehrere Geschlechter gibt. Aber gerade in einer Gesellschaft, in welcher dieser Dualismus vorherrscht, finde ich es wichtig, dass mensch die soziale Realität anerkennt und sich dementsprechend organisiert. Das heisst nicht, dass frau sich nicht kritisch mit diesem Dualismus (und der Heteronormativität) auseinandersetzen soll. Es besteht jedoch immernoch - auch nach Butler - das begründete Bedürfnis sich in Frauengruppen zu organisieren und mensch sollte diese reale Notwendigkeit nicht einfach mit einem "Wink mit Judith Butlers Theorie" abtun. Die soziale Realität für Menschen, die von der Gesellschaft als Frauen verstanden werden, ist nach wie vor untragbar!

Eine Kritik von marxistischen Feministinnen an Butler ist u.a., dass sie das revolutionäre Subjekt zu dekonstruieren versucht. Das würde ich jetzt nicht so unterschreiben, finde den Ansatz aber sehr spannend. Separate Gruppen haben in meinen Augen nach wie vor eine dringende Berechtigung. Und wenn sich jemensch in anderen Konstellationen und Zusammenhängen organisieren möchte, soll er/sie/es dies tun. Wie ein Genosse sagt: "In einem Kaninchenzüchterverein braucht es keine Goldfischhalter." Was natürlich nicht heisst, dass jemensch ausgegrenzt würde, oder dass man sich nicht an gewissen Punkten findet und zusammenarbeiten kann.

Ich fänd es jedenfalls schade, wenn die wenigen menschen, die sich noch aus antikapitalistischer Perspektive für feministische Ansätze interessieren und sich für feministische Anliegen einsetzen und kämpfen - ob in der autonomen Frauenbewegung oder in queeren Gruppen - an dieser Frage zerstreiten würden.

BILD0124