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Athen: Erklärung der inhaftierten BesetzerInnen

Übersetzung eines Textes der BesetzerInnen der Villa Amalias, die seit dem Polizeiüberfall auf das besetzte Haus am 20.12. im Athener Polizeipräsidium festgehalten werden.

 

 
Die Villa Amalias ist während der letzten 23 Jahre ein offen politischer, kultureller und sozialer Raum sowie ein Wohnkollektiv. In all diesen Jahren gab es viele aktive Gruppen, Projekte und Aktivitäten, darunter Theatergruppen, Konzerte, Musikstudio, Glasmalerei, Raum für Kinder, Tanzen, Sprach- und Computerkurse, Druckpresse, Vorführungen, Ausleih-Bibliothek sowie Schallplatten-Tauschladen. Zudem hat das besetzte Haus auch viele politische und kulturelle Veranstaltungen anderer Gruppen ausgerichtet. Abgesehen von diesen Aktivitäten innerhalb des Gebäudes, hat die Villa Amalias auch die Beschlüsse, die Belange der Nachbarschaft betreffen mitgetragen, indem sie an der BewohnerInnenversammlung des Victoria Viertels teilgenommen sowie unterschiedliche offen auswärtsschauende Aktivitäten u.a Umsonst-Märkte, Kollektivküchen und Angebote für Kinder im Viertel, einschließlich dem sogenannten "offenen Mikrofon“ organisiert hat.

All diese 23 Jahre hat die besetzte Villa Amalias vielfältige Werte geschaffen, die ebenso die vielgestaltige Zusammensetzung ihrer Subjekte und Gruppen widerspiegelt. Diese entstammen wiederum der breiten Hausbesetzungsbewegung, dem anarchistischen und antiautoritären Raum und von der Bewegung, die sich Klassen- und ArbeiterInnengegensätzen annimmt. Diese Werte sind zustande gekommen durch das Mitorganisieren von bzw. Teilnahme an Demonstrationen, Einmischungen und Mobilisierungen hinsichtlich Arbeits-, antifaschistischen und antirassistischen Kämpfen; Solidarität mit schikanierten besetzten Häusern, mit MigrantInnen und den von Repression Verfolgten, zu den Kämpfen von StudentInnen und SchülerInnen sowie der Auseinandersetzung, die offene, öffentliche Räume zurückverlangt.

Das Gebäude der Besetzung stand seit 1973 leer und war in einem abscheulichen Zustand. Seit 1990, dem Jahr als es besetzt wurde, ist es mit Leben gefüllt und durch die finanzielle Einbringung und persönliche Arbeit der BesetzerInnen sowie allen solidarischen Menschen Instand gesetzt.

Die scheinbaren Eigner des Gebäudes (die Stadt Athen, die über einiges Vermögen verfügt und die „Organisation“ für Schulgebäude) sind beide berühmt für Enteignung von Privatbesitz und illegaler Freigabe (von Gebäuden unter Denkmalschutz) Der verschwenderischste Fall dieser Art war das riesige Haragioni – Gebäude an der Kreuzung von der Straße des 3. Septembers und Ioulianou Straße, das sich von heute auf morgen von einem geplanten Bau eines Schulgebäudes in ein Einkaufszentrum wandelte.

Im Gegensatz zu denen, die Gebäude und Plätze nur als weiteres Feld für Profit sehen, ist die Villa Amalias und ihre Aktivitäten ein konkretes Beispiel für die Schaffung freier, sozialer Räume, die sich finanzieller Ausbeutung jeder Art widersetzen; die unter antihierarchischer, selbstorganisierter, Solidarität und horizontaler Strukturen die Menschen respektiert und jene am Boden der Klassenpyramide unterstützt, zu denen wir auch gehören.

Deshalb wurde die Instandsetzung des Gebäudes, wie oben erwähnt, von BesetzerInnen und ihren ÜnterstützerInnen durchgeführt- innerhalb der letzten vier Jahre nach zwei mörderischen Brandanschlägen durch parastaatliche Kräfte, ob sie bezahlt waren oder nicht. Diese besonderen Angriffe verursachten erhebliche materielle Schäden, die dennoch die Aktionen der Villa nicht hemmten. Im Gegenteil, sie verstärkten die Moral der Leute, die sie tragen. Mit der Hilfe aller UnterstützerInnen wurde die Fassade des Gebäudes auf Seite der Cheiden Str. renoviert, während die Restaurierung und Verschönerung des Gebäudes durch die Hilfe von ArchitektInnen und Bauingenieuren begann.

Die kontinuierlichen Angriffe sind nicht die Einzigen, denen das Projekt ausgesetzt war. Durch seine Lage, aber auch durch seine ideologischen Werte und politischem Charakter bedingt, geriet die Villa häufig ins Visier von Staat und parastaatlichen Kräften. All diese Angriffe beantworteten wir mit unseren Worten, machten die Ereignisse publik und propagierten unsere Positionen Vorstellunge imm Rahmen von offen sozialen Interventionen.

Am 20.12.2012 um 7:00 Uhr, überfielen die Vertreter der staatlichen Sicherheit unser besetztes Haus unter dem Vorwand einer Ermittlung wegen „Drogen“ und „Explosivstoffen“ , der angeblich eine anonyme Beschwerde zu Grunde lag. Sie verhafteten 8 Leute, die sich zu dieser Zeit im Haus befanden, von denen drei Gäste waren. Sie konfiszierten Gegenstände, in denen sie Beweise für erfundene Anklagepunkte, darunter Verbrechen und Vergehen, erkennen wollen. Beschuldigungen die wir zurückweisen. Zumal unsere Verbrechen auf einige leere Bierflaschen und eine kleine Menge Benzin basieren sollen. Dieses wurde neben einem Heizgerät gefunden. Für uns wurde dieser Schritt eindeutig politisch gewählt. In Zeiten von Finanz- und Systemkrise startet der Staat einen Angriff in alle Richtungen. Er entwürdigt das Leben der unteren Schichten und versucht jede Widerstandszelle zu vernichten: Das kann sich umwandeln in das Verpfuschen von ArbeiterInnenrechten, in Förderung rassistischer Ideale, die zu einem faschistischen Wandel der Gesellschaft beitragen, in Schaffung unsicherer Verhältnisse, um die ständige Überwachung unseres Lebens zu akzeptieren oder die Verfolgung und Verleumdung politischer Orte und Subjekte, die sich gegen all das oben genannte auflehnen.

WIR BESTREITEN ALLE ANKLAGEPUNKTE

UNSERE WÖRTER SIND UNSERE WAFFEN

WIR SIND SCHON ALL DIESE JAHRE AM BALL UND DAS ENDE IST NOCH NICHT IN SICHT.

SOLIDARITÄT ALLEN BESETZTEN HÄUSERN (UND UNSEREM)

22/12/12
Die Festgenommenen der Villa Amalias
 
[Quelle: indymedia ]